Lehrstuhl Prof. Dr. Saskia Lettmaier, B.A. (Oxford), LL.M., S.J.D. (Harvard)

Rebecca Güssow

Die Vertretung des Kindes im familiengerichtlichen Kindschaftsverfahren 

Fragen rund um die Vertretung des Kindes im familiengerichtlichen Kindschaftsverfahren beschäftigen deutsche Gerichte immer wieder und stellen sie häufig vor noch nicht gelöste dogmatische wie praktische Probleme.
Anlass zur Untersuchung gibt der Umstand, dass in Sorgerechtsverfahren oder Umgangssachen immer häufiger von den Eltern oder einem Elternteil versucht wird, für das Kind einen eigenen Rechtsanwalt zu mandatieren. Denkbar ist auch, dass das über 14-jährige Kind selbst einen Rechtsanwalt für sich mandatiert, weil es beispielsweise möchte, dass den Eltern oder einem Elternteil die Sorge entzogen wird. Ausgangspunkt der Arbeit bilden Fragen rund um die Verfahrensfähigkeit des Kindes und Folgefragen: Mehr...Wann ist das Kind im Sinne des FamFG verfahrensfähig? Kann das verfahrensfähige Kind mit einem Rechtsanwalt wirksam einen Geschäftsbesorgungsvertrag schließen? Wie steht es um den Vergütungsanspruch des Rechtsanwalts? Ist eine Finanzierung über Verfahrenskostenhilfe möglich? Daneben legt die Untersuchung einen besonderen Fokus auf jegliche Interessenkonflikte im Rahmen der Vertretung des Kindes im Kindschaftsverfahren. 

Für das nicht selbst verfahrensfähige Kind handeln „die nach bürgerlichem Recht dazu befugten Personen“ (vgl. § 9 II FamFG). Da diese Personen in erster Linie die gemeinsam sorgeberechtigten Eltern beziehungsweise der alleinsorgeberechtigte Elternteil ist, diese aber in den hier interessierenden Verfahren wie das Kind selbst auch Beteiligte sind, fragt sich, wie dieser besonderen Konstellation Rechnung zu tragen ist.
Kann den Eltern oder einem Elternteil die elterliche Vertretungsmacht wegen Interessenkollision teilweise entzogen werden mit der Folge der Bestellung eines Ergänzungspflegers? Wie verhalten sich Ergänzungspfleger und ein möglicherweise bereits bestellter Verfahrensbeistand zueinander? In welchem Verhältnis stehen Verfahrensbeistand und mandatierter Rechtsanwalt zueinander? Wessen Weisungen unterliegt der Rechtsanwalt, wenn er von nur einem Elternteil mandatiert wurde?
Ziel der Arbeit ist es, die aufgeworfenen Rechtsfragen unter Einbeziehung der aktuellen Entwicklung in Politik und Rechtsprechung eingehend zu untersuchen. Hierzu sollen Lösungsvorschläge unterbreitet werden, um einen wissenschaftlichen Beitrag zu leisten, der insbesondere für die familiengerichtliche Praxis von Nutzen sein soll.